Zusätzliches Seminar im Wintersemester 2017/18

051 736       In Bewegung setzen. Einführung in die Animation
                     Studies
                     2st., Fr 12-14, GABF 04/257
Gegenstandsmodul: Film/Kino
Systematisches Modul: Ästhetik & Technik

Kommentar

Animationsfilme führten in der traditionellen Filmwissenschaft lange Zeit ein Nischendasein. Als anspruchslose Unterhaltungsangebote für Kinder und Jugendliche belächelt, tauchen sie im klassischen Theoriekanon praktisch nicht auf. Erst seit den 1990er Jahren lässt sich insbesondere in der englischen und französischen Theoriebildung ein wachsendes Interesse am Animationsfilm beobachten. Zunehmend setzt sich hier die Erkenntnis durch, dass Animationsfilme keineswegs einen stabilen, eindeutigen und klar eingegrenzten Gegenstand darstellen. Vielmehr scheinen sie etablierte Systematisierungen gekonnt zu unterlaufen. Weder lassen sie sich auf ein übergreifendes Herstellungsverfahren (etwa „Zeichentrick“), noch auf ein einzelnes Genre (etwa den „Cartoon“) reduzieren. Jenseits der bekannten Produktionen von Disney, Warner oder Pixar fordern Filme, in denen eigentlich unbelebtes Material auf ungewöhnliche Weise in Bewegung versetzt und dadurch „verlebendigt“ wird, immer wieder gängige Kategorisierungs- und Periodisierungsversuche audiovisueller Medien heraus.

Das Seminar will sich diesen produktiven Un(ter)bestimmtheiten aus einer medientheoretischen Perspektive annähern. Welche Filme können als „Animationsfilme“ gelten, welche umgekehrt nicht? Welche Konzepte von Bewegung und Vitalität rufen Animationsfilme auf? Auf welche Kunstformen, Bildmedien und vorkinematographischen Apparaturen nehmen sie dabei Bezug? Wie verhalten sie sich zu Denkfiguren wie dem „klassischen“, dem „fotografischen“ oder dem „dokumentarischen“ Film? Diese und weitere Fragen sollen im Zentrum des Seminars stehen. Parallel zeigt der studentische Filmclub „KommandoKino“ im WiSe 17/18 eine Animationsfilmreihe, in der einige Filme, die im Seminar thematisiert werden, gemeinsam gesichtet werden können. Begleitende Texte und weitere Filmbeispiele werden in einem Moodle-Kurs und in einem digitalen Handapparat zur Verfügung gestellt.

Zur Einführung:

Wells, Paul (1998): Understanding Animation. London, New York: Routledge.
Dozent: Felix Hasebrink