Ina Bolinski: Get chipped! Zur Kulturgeschichte der elektronischen Tierkennzeichnung

Abstract

Die Technik hat schon lange Einzug in die Stallungen der Massentierhaltung gehalten und ist Bestandteil des modernen Herdenmanagements. Neuer hingegen ist die Verlagerung medientechnischer Artefakte in den Tierkörper hinein mittels Radio Frequency Identification (kurz RFID). Daraus ergeben sich neben Identifikations- und Rückverfolgungsmöglichkeiten auch neue Formen der Überwachung und Kontrolle, aber auch Verhaltensänderung bei den Tieren selbst. Aus der Verbindung von biologischem Lebewesen und technischem Artefakt und den damit verbundenen Verhaltensmustern resultieren zunehmend Fragen nach dem Status des Tieres in unserer Kultur.

Das Dissertationsvorhaben möchte das Verständnis von Tier und Tierherde mit Individualisierungstendenzen in Beziehung setzen und die elektronische Tierkennzeichnung unter Berücksichtigung von möglichen Verhaltensänderungen in diesem Kontext näher betrachten. Die Thematik ist für gegenwärtige Diskussionen um neue Aushandlungen zum veränderten Akteurstatus zwischen Menschen, Tieren und Dingen von hoher zeitdiagnostischer Relevanz. Mit Hilfe der elektronischen Tierkennzeichnung können nämlich zahlreiche Fragestellungen verhandelt werden, die das Tier, wie aktuell im wissenschaftlichen Diskurs zu beobachten ist, als „das Andere“ in den Mittelpunkt stellen. Aufschluss über anthropologisches Wissen und die Selbstverständigung des Menschsein kann durch den Blick des elektronisch gekennzeichneten Tieres erlangt werden, dessen Autonomie als selbstständiges Lebewesen zunehmend in Frage gestellt wird.

 

Vita

Ina Bolinski studierte von 2006 bis 2011 Medienwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre. Im Wintersemester 2013/2014 war sie Junior-Fellow der DFG-Kollegforschergruppe „Medienkulturen der Computersimulation“ an der Leuphana Universität Lüneburg; von Juni 2014 bis April 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft am Lehrstuhl für Mediengeschichte und Kommunikationstheorie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit Mai 2015 ist Ina Bolinski Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Das verdatete Tier. Zum Animal-Turn in der Medienwissenschaft“ ebenfalls am Institut für Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum.

 

Kontakt

Ina Bolinski

Ruhr-Universität Bochum

Institut für Medienwissenschaft

Raum: GB 5/157 (zzt.: ICN 02/635)

Universitätsstr. 150

44801 Bochum

mail: ina.bolinski@rub.de

 

Affiliation: DFG-Projekt: Das verdatete Tier. Zum Animal Turn in der Medienwissenschaft