Rettungsassistenz und Technik

Frau Marianne A. ist Rettungsassistentin in Bielefeld.
In ihrem Aufgabenbereich liegt es sich ausgiebig mit Menschen zu befassen, die notfallmedizinisch durch Unfall oder Krankheit in eine für sie, oder Angehörige nicht mehr trag-/ handelbare Situation gelangen.
Sie vermittelt daraufhin schnellstmögliche qualifizierte und kompetente Hilfe.

 

Was für technische Hilfsmittel setzen Sie in Ihrem Arbeitsalltag ein?
Es gibt eine ganze Reihe an Technischen Hilfsmitteln in meinem Fachbereich. Unter einfachen Dingen wie ein normaler PC, Funk- und Navigationsgeräte, Handys oder Einsatzmelder, benutzen wir medizintechnische Geräte, wie z.B. einen Defibrillator (Corpuls C3), ein Notfallbeatmungsgerät (Medumat Standard 2), ein Blutzuckermessgerät, ein elektronisches Ohrthermometer und eine Absaugeinheit.

Einige Geräte in meinem Job bringen eine große Arbeitserleichterung. Nicht unbedingt durch Zeitersparnis, aber dadurch, dass sie uns Ergebnisse liefern, die wir ohne sie nicht feststellen könnten. Und manchmal sind diese Ergebnisse schlachtentscheidend. (z.B. durch Blutzuckermessgeräte oder unser Corpuls C3 mit welchem wir in der Lage sind auch ein EKG zu schreiben)

 

Würden Sie sagen, dass diese Hilfsmittel für Sie zur Gewohnheit geworden sind, oder können Sie auch noch effektiv ohne sie arbeiten?
Natürlich wird man mit der Zeit etwas verwöhnt, weil es Geräte gibt, die einfache Maßnahmen ausführen können, wie z.B. die Herzfrequenz ermitteln, oder das Fieber messen.
Dennoch gibt es genügend Vitalzeichen, die auch ohne Geräte herauszufinden sind. Dazu zählt unter anderen Fieber, die Herzfrequenz, oder eventuelle Raumforderungen (Blutungen/Tumore) im Kopf welche durch verschieden große Pupillen zu erkennen wären.
Dennoch lässt mir mein Arbeitsfeld nicht besonders viel Spielraum, da es für Krankheits- und Traumabilder meist nur einen, oder höchstens zwei Wege, zum perfekten Endergebnis gibt und somit einem guten sogenannten „Outcome“ für den Patienten.

 

Was haben Sie für Erfahrungen wie Patienten auf diese Technik vertrauen?
Ich erlebe immer wieder die verschiedensten Arten und Meinungen von Patienten. Einige legen viel Wert darauf, was für ein Ergebnis ein Gerät liefert und vertrauen kaum noch auf das, was wir sagen.
Andere wiederum legen mehr Wert auf Menschlichkeit. Diese Patienten kann man allein damit beruhigen, dass man neben ihnen steht und ruhig mit ihnen redet, anstatt Hektik aufkommen zu lassen. Auch wenn eine Situation kritisch ist vertrauen diese Menschen auf mich und nicht auf die Maschine, die ich in der Hand halte und mit mir ins Haus trage.

 

Inwieweit sind Sie mit anderen Unternehmen vernetzt, wenn es um Notfallsituationen geht?
Wir sind insoweit mit anderen Unternehmen vernetzt, dass wir Geräte benutzen, die alle von verschiedensten Firmen entstammen.
Selbstverständlich sind wir innerhalb des Rettungsdienstes auch mit Unternehmen, wie der Feuerwehr, der Polizei, dem THW und anderen Hilfsorganisationen verbunden.

Aber der Kontakt beschränkt sich größtenteils nur auf die Betriebsleitung, oder dem Leiter der Technikabteilung. Mit der Feuerwehr, Polizei und anderen Hilfsorganisationen ist es trotz der häufigeren Zusammenarbeit erfahrungsgemäß unmöglich auf einen Nenner zu kommen. Viele Organisationen haben Meinungen über die jeweils andere, die zumeist nicht immer positiv sind, weil sie sich gegenseitig nicht vertrauen.
Im Falle eines Notfalls, in der es meist um Zeit, Leben und Tod geht, kann man allerdings jedes mal beobachten, wie sich alle zusammenraufen und wahnsinnig gut Hand in Hand kooperieren.

 

In Ihrem Berufszweig kann es in der Zukunft geschehen, dass fortschrittlichere Maschinen, oder auch Roboter, zur Unterstützung eingesetzt werden. Was halten Sie davon?
Kleine Hilfsmittel zur weiteren Unterstützung könnte ich mir vorstellen.
Allerdings braucht man in meinem Job, meiner Meinung nach, Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen und vor allem einen freien Geist, der in der Lage ist, um Ecken denken zu können, falls der Weg geradeaus eben nicht möglich ist.
Ich bin mir deswegen sicher, dass es unmöglich ist, einen Roboter einzusetzen, der in der Lage ist, all diese Aufgaben zu bewältigen.
Am ehesten würde es am wichtigsten Punkt scheitern und das ist, wie ich schon sagte, Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen.
Kein Roboter, egal wie gut er wäre, könnte ohne menschliche Führung etwas in unserem Arbeitsfeld schaffen.
Bei dem Gedanken, dass ein Schrotthaufen aus Metall, oder sonst was, ein Familienmitglied von mir retten sollte, wird mir ganz schlecht.

 

Also hatten Sie bis jetzt noch keine Erfahrungen damit?
Ich persönlich bisher nie. Allerdings besitzen wir in der Firma ein Gerät, das „Lucas“ genannt wird. Das ist ein Produktname des Herstellers, soweit ich weiß.
Lucas ist dafür da, dass wir im Falle einer längeren Reanimation wie z.B. bei anschließendem Transport ins Krankenhaus, die Hände frei haben.
Er ersetzt den Helfer, welcher die Herzdruckmassage übernehmen würde, indem man ihn auf Drucktiefe und Frequenz einstellt. Er kann am Patienten belassen werden, auch wenn dieser auf der Trage liegt.
Somit ist der Patient transportfähig, obwohl er reanimiert wird. Das wäre bei einer menschlichen Herzdruckmassage schwerer möglich.
Laut Statistiken lässt die Ergiebigkeit, mit der es möglich ist, eine Herzdruckmassage durchzuführen, bereits nach wenigen Minuten nach. Das ist in dem Fall kein Versagen, sondern einfach nur menschlich.
Den Aspekt der Eigensicherheit ist dabei mal ganz außen vor gelassen.
Den einzigen Vorteil sehe ich also in der Erleichterung von körperlicher Arbeit.
Ein weiteres Beispiel dafür wäre eine mechanische Trage, die einen Patienten sitzend auf einem Stuhl, die Treppe herunter befördert.
Das wären durchaus Sachen, die man in Erwägung ziehen könnte. Wir müssen in unserem Unternehmen noch immer mit einem Tragestuhl schleppen.
Abschließend möchte ich noch einmal zusammenfassen, dass die Geräte, die wir zur Verfügung haben, sehr gut sind. Wir brauchen sie auch, da nicht alles nur mit Menschenhand funktioniert.
Allerdings werde ich persönlich niemals die Kniffe, Tricks und Handgriffe verlernen, die ich einmal beigebracht bekommen habe, die absolut keine Maschine der Welt ersetzen könnte.

 

 

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