Working Remote: Interview mit Patrick Schneider


Video Transkript

Ich bin Patrick Schneider. Ich bin Interface Designer bei der Agentur 9elements aus Bochum. Ich habe früher für vier Jahre knapp, hier vor Ort gearbeitet, hab mich dann noch dazu entschlossen zu studieren und arbeite jetzt seit anderthalb Jahren remote aus Potsdam wo meine Fachhochschule ist.

 

Wie findet die Kommunikation zwischen dir und deinen Kollegen primär statt?
Da gibt’s mehrere Wege, ich glaub das meiste ist tatsächlich immer noch eigentlich per Telefon oder Skype, was auch immer, also, dass man wirklich miteinander spricht, aber viel lagern wir jetzt auch auf Slack aus. Vereinzelt auch noch E-Mails, aber so den einen heiligen Gral haben wir glaub ich nach wie vor noch nicht gefunden, also es sind immer noch mehrere Tools je nach dem was gerade am besten passt.

 

Macht die mediale Kommunikation die Arbeit effizienter?
Teils, teils, auf jeden Fall. Ich glaube manchmal ist es sehr praktisch das irgendwo festzuhalten was gesagt wird. Also wenn ich jetzt am Telefon irgendwas entschieden habe zusammen mit meinem Chef oder mit einem Arbeitskollegen und zwei Wochen später streitet man sich über dasselbe Thema nochmal, in dem Falle wäre es glaube ich besser, wenn es irgendwo in irgendeiner Form festgehalten is jetzt, ob es bei Slack ist oder bei Jira oder was auch immer, dann kann das schon durchaus Vorteile haben. Also ich würde jetzt nicht sagen, dass eins besser ist als das andere. Ich glaube, dass also, dass ein persönliches Gespräch immer besser ist. Jetzt gerade bei Design ist für mich der Vorteil, ich kann Leuten dann so direkt so: “Hier schau mal da und was ist wenn wir das so rum schieben?” Das geht jetzt natürlich auch mit Screensharing oder so wäre das auch ne Möglichkeit. Aber alleine so Kleinigkeiten wie dann kann ich mir mal kurz nen Zettel ranholen und was aufscribbeln oder ich kann halt viel besser Sachen zeigen, kommunizieren, diskutieren, ich denke da gibts keine Diskussion, dass da in irgendeiner Form Skype oder so das schlagen könnte, ne glaub ich nicht.

 

Könntest du dir vorstellen nur noch remote zu arbeiten?
Ich könnte mir auf keinen Fall vorstellen nur remote zu arbeiten. Jetzt im Moment ist es okay, weil es bei mir halt gerade wirklich nicht anders geht, vorausgesetzt ich möchte natürlich hier weiter für die Firma arbeiten, durch die räumliche Distanz. Aber ich merk schon ne ganz klare Tendenz dazu, dass immer wenn ich für ein paar Tage mal hier bin für Meetings, für irgendwelche Sprints die wir planen oder so ist für mich sehr viel effizienter und angenehmeres Arbeiten als wenn ich zuhaus sitz irgendwie allein am Schreibtisch und dann versuch zwischen der Uni noch irgendwie meine Stunden hinzukriegen.

 

Was sind die Vorteile von Remote-Arbeit?
Also das gleiche was für mich quasi eigentlich ein Vorteil wäre bei persönlicher Kommunikation, dass man halt diese Emotion son bisschen besser rüber kriegen kann und auch bei Diskussionen, wäre dann vielleicht auch bei geschriebener Form ein Vorteil, dass man die eben nicht hat, also gerade wenn es irgendwie, keine Ahnung, hitzige Themen sind oder “Mir gefällt aber das so viel besser als das andere.” ist es vielleicht ganz praktisch wenn dann manchmal die Emotionen wegbleiben und man das erst hinschreiben muss ohne direkt reagieren zu können, so dann ist man auch gezwungen es vielleicht noch mal durchzulesen und entscheidet sich dann vielleicht anders als so direkt im Affekt.

 

Hast du vorher schon in virtuellen Teams gearbeitet?
Ich hab früher als Freelancer schon eigentlich ausschließlich für Kunden aus Amerika gearbeitet, von daher bin ich das absolut gewohnt gewesen, ja.

 

Wie unterscheiden sich deine bisherigen Erfahrungen von deinen jetzigen?
Damals gab’s auf jeden Fall noch nicht Slack und Konsorten also da war es wirklich alles per E-Mail oder gegebenenfalls mal bei Skype.

 

Kann man in einem virtuellen Team eine persönliche Beziehung aufbauen?
Ich glaub, das ist schwierig jetzt so zu vergleichen weil ich halt mit keinem Kunden so lange am Stück irgendwie zusammen gearbeitet hab, wie es jetzt hier der Fall ist und ja ich hab auch keinen davon je persönlich kennen gelernt und ich glaube schon, dass es einen großen Unterschied macht so gerade hier bei uns in der Firma wo es halt nicht so die normalste Firma ist also wo man auch total viel zusammen unternimmt und abends länger hier bleibt und nicht nur zum Arbeiten sondern auch persönlich einfach weil man Bock hat noch hier irgendwie zusammen was zu machen ist es schon deutlich besser und, keine Ahnung da macht auch einfach mehr Spaß als wenn’s so super anonym ist mit Leuten von wer-weiß-wo.

 

Glaubst du, dass Remote-Arbeit zunehmend wichtiger wird?
Ja das glaube ich schon. Also ich denke es wird immer beides geben. Also, dadurch dass alles immer vernetzter wird und man halt arbeiten kann von wo man will theoretisch wird es auch immer Leute geben, die das gerne ausnutzen und halt irgendwie auch vielleicht garkeinen Bock haben im Büro rumzusitzen. So bei mir ist das halt eher das genaue Gegenteil, es ist nicht so, dass ich nicht auch gerne so ein digital nomad wäre und rumreise und nebenbei arbeite und die Welt sehe, hat sicher auch was für sich, aber ich persönlich so als Typ mag’s halt viel lieber hier im Büro zu sitzen, so das hat für mich immer was so von “Ja wir sitzen alle im selben Boot” so, wenn ich grad mal nicht so motiviert bin dann sehe ich neben mir einen der da auch irgendwie seine Probleme hat und coden muss und was auch immer. Also, für mich persönlich ist das angenehmer aber ich glaub dass es, es wird wahrscheinlich zunehmen aber es wird glaub ich trotzdem immer beides geben weil einfach Menschen so unterschiedlich sind.

 

Glaubst du, dass Tools für Remote-Arbeit irgendwann um virtuelle Präsenz erweitert werden?
Ja, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es das mal geben wird. Aber in welcher Form weiß ich jetzt nicht und ich weiß auch nicht ob es das komplett ersetzen kann, jemals. Also, man wird wahrscheinlich total nah kommen, gerade jetzt durch keine Ahnung virtual reality, dann sitz ich vielleicht mit meiner Oculus Rift zuhause rum und sehe trotzdem irgendwie alle Leute um mich rum, vielleicht sogar in einem virtuellen Büro, weil keiner wirklich irgendwo vor Ort ist, aber, ja, ob das dann so echt ist, dass es das ersetzen kann oder ob es das auch wert ist weiß ich nicht.

 

Wie wäre es für dich in einem virtuellen Büro zu arbeiten?
Weiß ich nicht, Dystopia, auf jeden Fall. Also, mir ist es schon deutlich lieber einfach hier rumzusitzen mit echten Menschen und mit denen zu arbeiten.

 

 

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