Mensch oder Humanoider Roboter? – Eine Begegnung

Humanoider Roboter “Nadine” im HNF Paderborn

Ich besuche das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum (HNF) in Paderborn. Alles sehr technisch hier. Durch die Dauerausstellung fahren zwei eindeutig als Roboter identifizierbare Gestalten. Mit ihrer Hilfe kann ich die Ausstellung anders entdecken. Sie führen mich zu ausgewählten Exponaten und stellen mir zum Beispiel Suchfragen: „Wo siehst du hier eine Mickey Mouse?“. Soweit so gut. Nichts Weltbewegendes. Roboter wie diese finden sich in einigen Museen, zum Beispiel auch im Museum für Kommunikation Berlin. Serviceroboter im weitesten Sinne.

Im obersten Stockwerk ist der Bereich für Sonderausstellungen. Hier geht es zum Zeitpunkt meines Besuchs ausgehend von der Pionierin der Computertechnik Ada Lovelace um die Rolle der Frauen in der Entwicklung von Computern. Von Station zu Station schlendere ich. Mein Blick schweift durch den Ausstellungsraum. Er bleibt an einer Frau, schätzungsweise in ihren 30ern, hängen. Sie sitzt auf einem Stuhl am Ende des Raumes, zwischen anderen Exponaten. Ich wundere mich: „Warum sitzt hier eine Frau mitten in der Ausstellung?!“. Andererseits – warum sollte sie nicht? Vielleicht ist es eine der Angestellten, die in den Räumen für Ordnung sorgen sollen. Ich kümmere mich nicht weiter um sie und informiere mich über die Rolle von Frauen zum Beispiel bei der Entschlüsselung der Enigma im Zweiten Weltkrieg, moderne Softwareentwicklerinnen und anderes.

Mensch-Maschine?

Ich gelange zu der Frau im Stuhl. Im Näherkommen erkenne ich: „Die Person sieht aus wie aus dem Wachsfigurenkabinett?!“. Ein Hinweisschild weist die Frau als „Nadine“ aus. „Nadine“ ist ein sogenannter Humanoider Roboter, der auf Englisch und Deutsch mit den Besuchern der Ausstellung im Dialog sprechen kann. Im Begleitband Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen wird von ihrer Entwicklerin Nadia Magnenat-Thalmann, Leiterin der Forschungsgruppe MIRALab an der Universität Genf, umso mehr versprochen: „Nadine“ soll eine eigene Persönlichkeit und eigene wechselnde Stimmungen haben. Diese Emotionen soll sie im Gespräch via Mimik abbilden können.

Probleme in der Kommunikation

Bei „Nadine“ klappt das während meines Besuchs leider nicht: Anscheinend ist die technische Komponente ausgefallen, sodass wir nicht miteinander ins Gespräch kommen können. Schaut man sich jedoch Demonstrationen im Netz an, so beeindruckt „Nadine“ schon:

„Nadine“ regt zum Nachdenken an

Es ist schon eine etwas abstruse Situation vor etwas zu stehen, das aussieht wie ein Mensch, sich so verhalten soll – und sein Versprechen nicht einlöst. Einen Moment kommt man sich dumm vor. So als ob man im Wachsfigurenkabinett plötzlich anfinge, mit den Abbildern berühmter Persönlichkeiten sprechen zu wollen. Aber genau so bescheiden käme ich mir vor, wenn ich vor einem „echten“ Menschen stünde, der nicht mit mir interagiert. Auch der würde sein von mir erwartetes Verhalten nicht erfüllen.
Humanoide Roboter stellen das auf den Kopf, was wir bisher für ein Technik- beziehungsweise Menschenbild haben: Wir konnten beide Welten klar voneinander trennen. Das geht so nicht mehr. Humanoide Roboter zwingen uns, unser Gesellschafts- und Sozialsystem kritisch zu reflektieren: Welches Sozialverhalten erwarten wir von Humanoiden Robotern? Wer wollen wir sein, wer sollen die Humanoiden Roboter sein? Welche Werte sind uns als Gesellschaft wichtig?

 

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