Die Sauerland-Pyramiden II – Von der Natur zur Technik

Bevor ich mich auf den Weg zur nächsten Ausstellung in der „Science Pyramide“ aufmache, besuche ich die kleinen Bewohner des Galileo-Parks. Dieser beherbergt nicht bloß Pyramiden oder einen chinesischen Garten, sondern auch Nasenbären, die Maskottchen der Sauerland-Pyramiden. Sie stammen aus Lateinamerika und begegnen einem dort häufig bei den Maya-Pyramiden: Daher stammt auch ihr Name „Wächter der Pyramiden“. Und auf der anderen Seite des Parks kann man sechs kleine Kattas besuchen – Halbaffen, die in Madagaskar heimisch sind – die an ihren Bäumen erstaunliche Kunststücke vollbringen und die Besucher bei einer Atempause an der frischen Luft unterhalten.

 

Die Pyramide der Bionik

Danach gehts weiter im Programm mit „Lernen von der Natur – Erlebe das Abenteuer Bionik“. Diese Ausstellung ist zwar kleiner als die der antiken Technologien, aber dafür noch um einiges interaktiver gestaltet, sodass jeder „zur Forscherin oder zum Forscher werden kann“. Ich fühle mich auf jeden Fall als würde ich ein hochtechnologisches Labor betreten, als ich vor dem automatischen Eingangs-Tor stehe, das, ebenso wie der Eingang zur DASA Ausstellung damals, direkt von einem Raumschiff aus Star Trek stammen könnte. Doch abgesehen davon gibt es kaum noch Gemeinsamkeiten, denn in der Science Pyramide geht es um Bionik: dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Und so gut wie jede vorgestellte Technik ist für den Besucher erlebbar gestaltet worden. Während ich lerne, dass die Idee für den uns bekannten Fallschirm von einer Pusteblume stammt, kann ich auch gleich Luft gegen eine Membran blasen und sehen, wie eine digitale Pusteblume verweht. Tatsächlich erkenne ich im Flug der Samen den Gleitflug von Fallschirmen. Ein Ratespiel in einem Glaskasten zeigt mir, dass, offensichtlicher Weise, Taucherflossen Entenfüße als Vorbild haben, aber dass eine Bagger-Schaufel einer Maulwurfpfote nachempfunden ist, war mir neu.

 

Prothetik aus dem Tierreich

Spannend ist auch immer die Frage nach Prothesen, die der Mensch entwickelt, um seinen Körper zu optimieren und ihn einer Umwelt anzupassen, für die er eigentlich nicht gedacht ist. Doch wer denkt bei Prothesen an Badekleidung? Genau die wurde der Haut eines Hais nachempfunden, ausgestattet mit winzig kleinen Rillen, die Verwirbelungen des Wassers vermeiden, um den Strömungswiderstand niedrig halten. Diese Technik findet sich heute im Leistungssport, aber auch Flugzeuge nutzen „Hai Tech Folien“ – eigentlich Riblet Folien – um die Reibung zu reduzieren und so den Kerosinverbrauch zu senken. Gleich daneben kann ich testen, wie viel schneller sich ein hydrodynamisch geformtes Objekt, das die ungefähre Form eines Pinguins hat, im Gegensatz zu einem Würfel in zwei Wassersäulen bewegen kann.

 

Von Elefanten und Stabheuschrecken lernen

Es ist interessant zu sehen, dass es ohne Wespen keine Zeitung geben würde – sie stellen ihre Nester aus einem Gemisch von Speichel und kleinen Holzteilchen her – oder der Stacheldraht einer Dornenhecke nachempfunden ist. Doch der wohl spannendste Teil der Ausstellung beschäftigt sich natürlich mit der Vermischung von Bionik und Robotik: Hier kann man kleine Miniaturroboter bestaunen und sogar in die Hand nehmen, die in ihrer Gestalt und Bewegung Insekten, wie der Stabheuschrecke, nachempfunden sind, um mehr Stabilität auf sechs Beinen zu erreichen; ein Vorteil in unebenem Gelände. Auch lerne ich, dass bionische Greifarme der Firma FESTO, die ebenso als Exo-Hände für den Menschen eingesetzt werden können, von hochflexiblen Elefanten-Rüsseln inspiriert wurden. Und genauso gibt es Greifer, die die adaptive Formveränderung von Knochenfischen nachahmen und so jedes Objekt perfekt umschließen können.
Wer sich also fragt, was von unserer heutigen Technologie noch aus der Tier- und Pflanzenwelt stammt, wo wir dem Lotuseffekt im Alltag begegnen oder wie der Ultraschall Flug einer Fledermaus durch bionische Sensoren zu einer Prothese für Sehbehinderte wird – die man mit der Hilfe einer verdunkelten Brille auch gleich ausprobieren kann – der sollte unbedingt auf Erkundungstour in der Science Pyramide des Galileo-Parks gehen.

 

Was die Pyramiden noch zu bieten haben

Wer nach all dem eher wissenschaftlichen oder tierischen Spaß noch nicht genug hat, der kann auch noch einen Abstecher in die „3D Tricture“ Ausstellung machen. Hier kann man nicht nur Gemälde mit einem 3D-Effekt bestaunen, sondern auf Fotos gleich selber zum Exponat werden. Was das zu bedeuten hat, können Interessierte in den Sauerland-Pyramiden selber herausfinden und zur Forscherin oder zum Forscher werden.

Beide Ausstellungen gehen noch bis zum 26. November 2017: Eine definitive Besuchsempfehlung.

 

 

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