Peter Rehberg – Echt Porno

Rehberg

Abstract

Das Genre der Pornographie steckt in einem Dilemma: einerseits soll es als visuelles Spektakel Fantasien zur Verfügung stellen. Erzählformen, Abbildungskonventionen und Schnittverfahren sind darauf angelegt, einen idealen Raum zu produzieren, in dem das Begehren ungehindert ablaufen kann. Auf der anderen Seite soll die Pornographie aber auch realistisch sein. Sie soll Spuren wirklichen Begehrens aufzeichnen. Dieser Echtheitsanspruch der Pornographie hat sich unter den digitalen Medienbedingungen der letzten 20 Jahre noch einmal aktualisiert und zugespitzt: Im Internet sind Formen wie realporn oder gonzoporn populär geworden, mit denen es weniger darum geht, perfekte Körper anzubieten; vielmehr wird hier die Direktheit der Aufzeichnung selbst erotisiert. Der Vortrag beschäftigt sich mit den neuen medialen und ästhetischen Formen, mit denen in der Pornographie „Echtheit“ hergestellt wird. Aus dieser Lage ergeben sich auch neue Optionen für Gender und Sexualität: Anhand von Webseiten und Dating Apps im Umfeld post-pornographischer Kulturen soll die Frage verfolgt werden, inwiefern der mediale Wandel zum Beispiel queeren Positionen zuspielen kann.

Biographical Note

Dr. Peter Rehberg ist Affiliated Fellow am ICI Berlin, wo er in den Bereichen Queer Theory, Gender Studies, Media Studies und Postcolonial Studies forscht. Von 2011 bis 2016 war er DAAD Associate Professor am Germanic Studies Department der University of Texas at Austin und im Frühjahr 2018 ist er Max-Kade-Professor am German Department der University of Illinois at Chicago. Peter Rehberg hat gerade eine Monographie über das schwule Fanzine Butt beendet, die im Frühjahr 2018 bei bbooks erscheint. Titel: Hipster Porn: Queere Männlichkeiten, affektive Sexualitäten und neue Medien. Er hat zahlreiche Artikel zu Themen wie Post-Pornographie, Homophobie, Celebrity Studies und dem Eurovision Song Contest veröffentlicht. Zuletzt von ihm erschienen ist der Aufsatz „Queer Affect Theory: Zum Verhältnis von Affekt und Trieb bei Sedgwick und Freud“ in der Zeitschrift für Medienwissenschaft 17, 2 / 2017. Zusammen mit Prof. Dr. Brigitte Weingart war er Herausgeber der Ausgabe 16, 1 / 2017 der Zeitschrift für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Celebrity Cultures“.

 

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