Linseisen: Filmen ein Gesicht verleihen

Abstract

Dieser Vortrag beschäftigt sich mit High Definition (HD) – hochaufgelösten, digitalen Kinobildern – einerseits als ästhetisches Phänomen, jedoch auch als mediales Format.
Als detaildichtes, konturenscharfes Filmbild zeigt HD seine ästhetische Qualität. Gleichzeitig bleibt HD aber nicht am Bild haften sondern existiert als Meta-Label, welches, von der Produktion bis zur Speicherung, Existenzen des Kinobildes aufzeigt. HD soll als mediales Aggregat verstanden werden, als eine Infrastruktur, die die
Zirkulation des digitalen Filmbilds beschließend, einen Prozess von festeren und loseren visuellen Kopplungen beschreibt.
Zwischen Bildontologie und Bildoperation unterliegt HD damit einer Logik der Definition und Auflösung. Das Changieren zwischen ästhetischem Nahkontakt mit dem Bild und einer strukturellen Logik der Beziehungsbereitschaft des Bildes soll mit der medien-philosophischen Kategorie des Affekts eingeholt werden. HD affiziert: als visuell aufgeladenes Bild sowie als formale Möglichkeit der medienübergreifenden Anteilnahme. Gilles Deleuze definiert das Affektbild als Großaufnahme des Gesichts. In Analogie hierzu soll HD ein Status des Facialen zugesprochen werden. HD ist Affektbild und gibt so dem Film ein Gesicht.

 

Biographical Note

Elisa Linseisen ist seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und promoviert bei Prof. Oliver Fahle an der Professur für Filmwissenschaft. Ihr Magisterstudium der Neueren deutschen Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München schloss sie 2013 mit einer
medientheoretischen Arbeit zu 3D-Filmen ab, welche 2014 im Königshausen und Neumann Verlag mit dem Titel 3D- Filmisches Denken einer Unmöglichkeit erschienen ist. Seit 2014 ist sie redaktionelles Mitglied der Onlinezeitschrift „Medienobservationen“. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Themenbereiche Digitale Bildlichkeit, Film- und Bildtheorie sowie Medienphilosophie.