Leistert – Vertrauen & Kontrolle

Abstract

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Die Umkehr dieser Redewendung, die Lenin zugeschrieben wird, zeigt den historischen Stand neuester Vergesellschaftungs- bzw. Regierungstechnologien an. Denn mit Blockchains beobachten wir die nächste Drehung des Problems vom Zwang zur Kooperation durch Konkurrenz. Indem u.a. spieltheoretische Annahmen in die Governance von Blockchain-Projekten implementiert sind, können diese verteilten Systeme frei von externer Kontrolle bzw. ohne Manipulation von außen laufen. Vertrauen ins Gegenüber oder in eine regulative Zentrale ist fortan nicht mehr Bedingung gesellschaftlichen Verkehrs. Maschinen kontrollieren nun Maschinen beim Berechnen von Soll und Haben. Diese in den Blockchains aufscheinende Maschinen-Souveränität ist nach den Plattformen zur Transaktionsvermittlung (Uber, AirBnB, …) der nächste Schritt der Übergabe der Handlungsfähigkeit an Algorithmen.

Biographical Note

Dr. Oliver Leistert promovierte mit einer Arbeit zu neoliberalen Modalitäten mobiler Medien in Bezug auf Überwachung und Aktivismus. Seine Forschungsinteressen sind sog. Soziale Medien, Protestmedien, Algorithmen und Gesellschaft, Medien- und Technikphilosophien im Anschluss an Gilbert Simondon und souveräne Medien wie Blockchains oder Bots. Derzeit beschäftigt er sich an der Leuphana Universität Lüneburg mit der Genese des Kontrollbegriffs und einigen ihn begleitenden Fantasien. Veröffentlichungen u.a.: On the Question of Blockchain Activism. In: Graham Meikle (ed.): The Routledge Companion to Media and Activism. London/New York: Routledge 2018; mit Lina Dencik (eds.): Critical Perspectives on Social Media and Protest. Between Control and Emancipation. London: Rowman & Littlefield 2015.