Herranz – Blockchains

Abstract

Die Regelung kapitalistischer Besitzverhältnisse und Beziehungen wird
primär durch Institutionen ausgeführt, die das Monopol über diese
Ausübung anstreben und durch staatliche Gesetzgebungen schützen. So sind
Banken und Notare Autoritäten, die den reibungslosen Ablauf und die
Integrität des wirtschaftlichen Handelns vermitteln und garantieren
sollen. Das Bitcoin-Protokoll funktioniert und vervielfältigt sich seit
dem Jahr 2009 ununterbrochen und hinterfragt durch algorithmische
Möglichkeiten des dezentralen ökonomischen Handelns die Existenz und das
Monopol ebendieser Autoritäten. Blockchains sind nicht nur als
Instrument gegebener Institutionen zu verstehen, sondern auch als
Alternative zur zentralisierten Verwaltung und Schlichtung ökonomischer
Interaktion zwischen Individuen, Organisationen und Maschinen.

Digitalisierungsprozesse stellen kritische Momente dar, in denen
Unterbrechungen verfestigter Machtstrukturen möglich werden, unter
anderem durch das Auftauchen institutioneller Räume, welche eigenen
rechentechnischen und programmierbaren Regeln und Logiken folgen. Können
Blockchains, unter anderem, hierarchie- und erlaubnisfreie digitale
Einrichtungen sein, wo sich soziale Praktiken, Besitzverhältnisse und
unmittelbare Beziehungen einschreiben und dokumentiert werden?

Kurzvita

José Herranz studiert und forscht seit 2011 an der RUB. Davor studierte er Informationswissenschaften an der Universidad Complutense de Madrid.

In der Blockchain-Szene ist er seit 2016 aktiv, indem er selbst mit Blockchains experimentiert sowie zur Vernetzung zwischen Praxis und Wissenschaft beiträgt. Letztes Jahr hielt er einen Vortrag zur Rekonzeptualisierung der DAO auf dem BTCM (Blockchain Tech Crypto Meetup).

Sein Promotionsprojekt trägt den Arbeitstitel „Blockchain-Technologie. Maschinischer, dezentraler, vertrauensloser Konsens.“