AVATAR: Capturing Avatar

von Nele Borkenhagen, Hannah Goga, Dana Karthaus und Simone Lehmann

1. Allgemeines

Der Film AVATAR ist ein U.S.-amerikanischer Sciene-Fiction-Film, der seine Premiere weltweit am 17. und 18. Dezember 2019 feierte. Das 90-minütige Making-of zu AVATAR, das als Bonus-Material auf der DVD veröffentlicht wurde, bringt verschiedene Aspekte klassischer Making-of-Formate zusammen. Im Folgenden sollen die Darstellung des Filmemachers als auteur, die Inszenierung von (Film)Technik sowie das Vergnügen der Crew bzw. der Stars an der Produktion im Mittelpunkt stehen.

Die leitende Fragestellung lautet: In welchem Verhältnis stehen Natur und Filmtechnik in dem Making-of, welche technischen Besonderheiten der Filmproduktion werden gezeigt und welche Rolle spielen dabei der Regisseur James Cameron und die gesamte Crew? Die Hypothese lautet, dass das Making-of den Film Avatar als kreative ‘Ein-Mann-Produktion’ durch den Regisseur James Cameron inszeniert. Besonders herauszustellen ist hierbei seine Rolle als technischer Visionär, die sich auch aus der Präsenz von Filmtechnik und filmtechnischer Innovation im Making-of ergibt.

2. Analyse

2.1. James Cameron als auteur

Die auteur-Theorie bzw. politique des auteurs, die erstmals 1954 von François Truffaut in einem Essay formuliert wurde, besagt, dass bestimmte Regisseure ihre Filme als individuelle, künstlerische Vision umsetzen, dabei weitestgehend die kreative Kontrolle behalten und nicht nur ein Drehbuch für die Leinwand adaptieren (vgl. Bender/Wulff 2014). Der Amerikaner Andrew Sarris entwickelte diese Idee weiter, indem er Regisseure als “kreative und wiedererkennbare Autoren ihrer Filme” (ebd.) herausstellt. Somit steht der Film nicht länger als gesichtslose Produktion der Unterhaltungsindustrie da; für Truffaut und Sarris gilt er fortan als Kunstwerk, welches von einem Regisseur geschaffen wurde. Das kann anhand eines Zitates von George Lucas verdeutlicht werden, welches Volker Wortmann in seinem Aufsatz DVD-Kultur und Making-of aufgreift: “The author theory of film actually is very true, if you know directors, because they are very much like their movies” (George Lucas zitiert nach Wortmann 2010: 101). Weiter betont Lucas: “In the case of somebody who writes and directs, you know, it is my life. Everything I write is my life” (ebd.). Das Making-of kann laut Wortmann als Autorenerzählung par excellence angesehen werden, in welcher der Regisseur als auteur über seine Beziehung zu dem Film selbst, aber auch zu den Schauspieler*innen und der Filmindustrie berichtet (vgl. ebd. 2010: 102).

Wird diese auteur-Theorie nun auf das Making-of von AVATAR angewendet, wird schnell deutlich, dass auch hier der Regisseur James Cameron die Hauptrolle spielt. Zuallererst wird im Making-of erwähnt, dass Cameron die Idee und das Drehbuch zu AVATAR bereits Mitte der 90er-Jahre entwickelt und geschrieben hatte, die Dreharbeiten jedoch erst zehn Jahre später beginnen konnten. Hierdurch soll deutlich werden, dass es sich bei der Produktion um eine persönliche Vision Camerons handelt, an der solange festgehalten wurde, bis die Umsetzung technisch möglich war. Die großen Anstrengungen, die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik sowie der hierzu notwendigen Technik, auf die im weiteren Verlauf noch näher eingegangen wird, werden zudem dadurch anschaulich, dass bereits vor der eigentlichen Arbeit mit den Schauspieler*innen ein Jahr mit Statisten an einer ‚perfekten‘ Umsetzung hantiert wurde. Erst im Jahr 2005 wurde mit den eigentlichen Dreharbeiten angefangen, die sich, samt der aufwändigen Postproduktion, über vier Jahre hinzogen, bis der Film schließlich im Dezember 2009 veröffentlicht wurde. Denn auch nach dem Abschluss der Hauptdreharbeiten mit den Schauspieler*innen musste das gesamte Filmmaterial, bis zur finalen Fassung des Films, mehrfach überarbeitet werden. Dieser langwierige Prozess wird auch anhand der Verschiebung der Premiere, die eigentlich bereits im Sommer des Jahres stattfinden sollte, deutlich. Die Wichtigkeit einer ‘idealen Umsetzung’ von Camerons Ideen wird außerdem durch die Erwähnung der hohen Produktionskosten, von Recherchereisen und Exkursionen mit dem Filmteam unterstrichen.

Doch in dem Making-of wird nicht nur die Geschichte hinter der Produktion, sprich als Vision von James Cameron, erzählt. Im gesamten Verlauf des Making-ofs erklärt Cameron technische Vorgehensweisen, worauf diese abzielen sollen, und weshalb sie bedeutend für den Film sind. Desweiteren betont er immer wieder, wie wichtig ihm die ‘Authentizität’ des Schauspielens ist. Hiermit wird implizit dem Vorwurf begegnet, dass trotz der umfassenden Nachbearbeitungen der Aufnahmen und insbesondere des MotionCapture-Verfahrens das Schauspiel ‘authentisch’ bleibt, auch wenn im Gesamtprodukt der reale Körper der Schauspieler*in durch einen animierten ersetzt wird. Dies untermauert, dass Cameron als Regisseur eine konkrete Vision hat, wie das Endprodukt letztlich aussehen soll. Es kann also festgestellt werden, dass auch im Making-of zu AVATAR immer noch ein klassisches “highlighting above-the-line personnel, namely the director, as the protagonists of filmmaking adventures” stattfindet, wie Daniel Steinhart (2018: 116) es anhand von Hollywood-Making-ofs der 1960er Jahre herausarbeitet. Durch die Herausstellung des Regisseurs als kreatives Individuum kommt es zu der Möglichkeit für “featurettes to tell a cohesive narrative succinctly and to bring coherence to the production operation” (ebd.). Als letzten Aspekt einer Auteur-Theorie im Making-of von AVATAR ist zu nennen, dass James Cameron in einer Vielzahl an Szenen selbst in action zu sehen ist. Der Regisseur tätigt scheinbar viele Handgriffe selbst. Beispielsweise bewegt er selbst die Liane, auf der ein Schauspieler schwingt, hält ein Pferd am Halfter fest, schießt selbst mit Pfeil und Bogen und läuft permanent mit einem Monitor in der Hand durch das Aufnahmestudio, um Anmerkungen und Verbesserungen zu dirigieren.

2.2. Technik vs. Natur

Ein weiterer Fokus des Films und des Making-ofs liegt auf dem Aspekt der Technik und der Natur. Cameron wird als technischer Visionär gezeigt, der über einen Zeitraum von 14 Jahren eine eigene Welt erschafft. Im Film stehen sich Natur und Technik scheinbar antagonistisch gegenüber, verkörpert durch die indigenen Na’vi und die menschlichen Kolonialisten. Das Making-of hingegen stiftet Verbindungen zwischen beiden Bereichen. ‘Natürliches’ und ‘Technisches’ sind für die Produktion des Films kein Widerspruch, sondern greifen ineinander.

Das Making-of von AVATAR zeigt die Produktion des Films zunächst als extrem technisches Unterfangen, das sich maximal von einem Drehen on location unterscheidet. Alle Szenen wurden in einem Studio gedreht und mit entsprechender Software nachbearbeitet. Hilfsmittel wie Anhöhen in der im Nachhinein animierten Welt, aber auch Lianen und Tiere, wurden künstlich aus verschiedenen Materialien wie Draht oder Pappe erstellt. Während des Drehs dienten sie den Schauspieler*innen als Orientierungshilfen und der Post-Production-Crew als Platzhalter für die animierte Flora und Fauna von Pandora. Die Nachbearbeitung betraf auch die Geräusche, Filter, die Figuren selbst, insbesondere das Gesicht und die Augen. Eine solche Zurschaustellung von Filmtechnik und technischen Innovationen verortet Vinzenz Hediger besonders in der Frühphase der ersten Making-of-Filme. So ging es in den 1910er Jahren bereits um die “Apparatur der Kinos – Kamera und Projektor – sowie die verschiedenen profilmischen Techniken der Herstellung der filmischen Illusion, insbesondere der Tricktechnik” (Hediger 2005: 334). Schon hier wird deutlich, dass mithilfe des Making-ofs dem Publikum gezeigt wird, wie fiktionale Welten entstehen. Dabei ergänzt Hediger: “Je überzeugender die Angebote zur Immersion ausfallen, desto stärker wurde das Bedürfnis des Publikums nach ironischer Distanzierung, nach einem Wissen um das Zustandekommen der Illusion […]” (ebd. 2005: 334). Das Aufkommen fiktionaler, diegetisch geschlossener Spielfilme fällt zeitlich also mit dem Aufkommen erster Making-of-Filme zusammen. Im Making-of zu AVATAR schlägt sich dieses Bedürfnis in der umfassenden Kommentierung der Entstehung der künstlichen Welt Pandora nieder.

In Verbindung mit dem großen Fokus auf Cameron in dem AVATAR-Making-of kann weiterhin festgestellt werden, dass sich die starke Betonung von Filmtechnik aus frühen Making-ofs hier mit dem Fokus auf den Regisseur als Autor verbindet. Dies ist eine Überlegung, die Hediger in seinem Text nicht explizit anstellt, die aber durch die Beobachtungen im Making-of in Bezug auf Technik und Regisseur plausibel erscheint.

Als größte technische Innovation wird hierbei die Performance-Capture-Technik dargestellt. Dabei werden digitalisierte Bewegungen mit digitalisierten Aufnahmen der Mimik der Schauspieler*innen kombiniert, sodass eine digitalisierte Figur entsteht (vgl. zu Hünningen 2012). Für dieses Verfahren ist eine große Menge an Kameras nötig, um jeden Winkel und alle Körperteile der Schauspieler*innen gleichmäßig zu erfassen. Für die realistische Wiedergabe der Mimik werden reflektierende Markerpunkte auf die Gesichter der Schauspieler*innen geklebt, die von Sensoren aufgenommen werden, um auch kleinste Bewegungen der Gesichter so ungefiltert wie möglich auf die animierten Figuren zu übertragen. Im Making-of von AVATAR wird dieses Verfahren insbesondere an der Schauspielerin Zoe Saldana angewendet, die ihre Mimik und ihre Körperbewegungen der animierten Figur Neytiri leiht. Als real menschliche Figur kommt sie in dem Film nicht vor, wohl aber in dem Making-of, wenn sie etwa zu ihren Erfahrungen mit dem Performance-Capture-Verfahren befragt wird. Derartige Interviews sind laut Hediger ein weiterer, zentraler Topos des Making-of-Films. Wenn die Schauspieler*innen im AVATAR-Making-of interviewt werden, erwähnen sie zumeist die dabei zum Einsatz gekommene Technik. Insbesondere betonen sie dabei den anstrengenden, aber lohnenden Charakter ihrer Arbeit. Auch dies ist laut Hediger eine klassische rhetorische Strategie von Making-ofs (vgl. Hediger 2005: 335).

Neben der Mimik werden mit dem MotionCapturing auch die Bewegungen der Schauspieler*innen eingefangen. Sie tragen dabei einen besonderen Anzug, ebenfalls ausgestattet mit Markerpunkten, die ihre Bewegungen direkt an die Kamera bzw. an einen Computer weitergeben. Neben der Digitalisierung der Bewegungen werden die menschlichen Körper im Ganzen digital erfasst. Verbunden mit den digitalisierten Bewegungen der Mimik und der digitalisierten Aufnahmen der Körper entstehen so am Computer animierte Körperskelette, die auch feine Bewegungsnuancen eines Menschen so real wie möglich zeigen. Diese Körpermodelle können am Computer weiter bearbeitet und verändert werden.

Die Aufdeckung dieser technischen Verfahren steht in der Tradition eines ¸Blickes hinter die Kulissen‘. Auf die Faszination dieses Blicks und die dadurch entstehenden neuen Erkenntnisse und Eindrücke verweist Joachim Paech, wenn er das von Gérard Genette geprägte Konzept des Paratextes auf das Making-of überträgt: „Der Blick hinter die Kulissen des Theaters und des Cinéma sollte niemals desillusionieren, sondern im Gegenteil durch Verblüffung und Faszination die Illusionswelten erweitern helfen, er dient nicht der Aufklärung, sondern der Verklärung von Produktionsabläufen“ (Paech 2004: 223).

Ein weiteres Faszinosum der Produktionsabläufe in AVATAR ist die scheinbar doppelte Kameraführung. Abgesehen von den unzähligen Kameras am Set, die unter anderem vor allem für die aufwendige Produktion der Capture Technik benötigt und eingesetzt werden, verwendet Cameron eine ¸virtuelle Kamera‘. Diese handliche Kamera ist mit einem großen Vorschaumonitor ausgestattet. Das Besondere ist, dass diese Kamera nicht dafür eingesetzt wird, um eine entsprechende Szene zu filmen, sondern um einen ersten Eindruck des möglichen Endergebnisses zu zeigen. Die Kamera überträgt die aktive Szene am Set in eine vorprogrammierte Rohfassung der später computergenerierten Welt, sodass der Regisseur sich die Szene in der späteren Endfassung des Films nicht nur vorstellen muss, sondern direkt ein visuelles Bild der Studioszene in der animierten Filmwelt geliefert bekommt. Durch diese Übertragungen können Bewegungen und Mimik der Schauspieler*innen direkt im Detail angepasst und geändert werden. Ziel ist es auch hier, die Glaubwürdigkeit und ‚Authentizität‘ der Darstellung sofort am Set zu verbessern, nicht erst in der Phase der späteren Nachbearbeitung des gedrehten Materials.

Im Kontrast zu den technischen Innovationen und der animierten Welt stehen dagegen verschiedene ‘natürliche’ Gegenstände am Set. Das Making-of zeigt, dass einige dieser Gegenstände teilweise von der Crew in aufwändiger Handarbeit angefertigt wurden. Teile der Kulissen wurden am Set von vielen Mitarbeitern gebaut oder umgebaut. Um realistische Bewegungsvorlagen auch von Tieren zu erhalten, dienten auch Pferde dazu, Bewegungen der Tierwesen im Film zu imitieren. Diese Arbeitsschritte wurden für das AVATAR-Making-of bewusst ausgewählt, um dem MotionCapture-Verfahren scheinbar ‚natürlichere‘ Produktionsabläufe gegenüberzustellen. Das Making-of bietet damit ein bestimmtes Wissen darüber an, was im Falle von AVATAR als besondere ‚Arbeit‘ während der einzelnen Produktionsschritte verstanden werden kann. Diese „filmische Forschung zu filmischer Arbeit“ (Göttel 2018: 37) rückt gerade die Herstellung von realen, haptischen Kulissenteilen (für einen weitestgehend computeranimierten Film) in den Vordergrund. Filmrequisiten wie Accessoires, Schmuck und Kostüme wurden von besonders geschulten Mitarbeitern über einen langen Zeitraum für jeden individuellen Charakter angefertigt. Auch hier bemüht sich das Making-of, die Authentizität dieser eigentlich erfundenen Requisiten dadurch zu unterstreichen, dass für ihre Herstellung historische und archäologisch verbriefte Handwerkstechniken zum Einsatz kamen. Das gleiche gilt auch für die Welt von Pandora. Zwar handelt es sich bei dieser Welt um eine technisch animierte, doch auch in ihrer Entstehung sollte biologisches und botanisches Wissen einfließen. Um die Glaubwürdigkeit der gezeigten Pflanzen zu erhöhen, wurde etwa eine Botanikerin als Expertin während der Produktion zur Rate gezogen. Cameron erscheint damit weniger als Visionär, der einen von der real existierenden Tier- und Pflanzenwelt vollkommen losgelöste Fantasieplaneten erschafft. Vielmehr geht es ihm – und dem Making-of – um eine ‚realistische‘ Vision einer fremden Welt, deren Plausibilität fortwährend durch unterschiedliches Expertenwissen abgesichert und bestätigt wird.

Eine realweltliche Fundierung der technisierten Produktionsabläufe am Set findet zuletzt auch dann statt, wenn ein Teil der Crew einen tagelangen Ausflug in die Wälder und Wildnis von Hawaii unternimmt. Die Schauspieler*innen trugen dabei ihre Kostüme, schwammen mit diesen und bereiteten selbst ihre Nahrung zu. Der Cast sollte ein Gefühl dafür erhalten, wie es sich mit den Requisiten und Kleider in der Natur anfühlte, um sie später auf den Motion-Capture-Bühnen adäquat umzusetzen. Außerdem wurden Zufallshandlungen, wie das Tauwassertrinken, aus einem Blatt, von Zoe Saldana, mit in den Film aufgenommen. Im Making-of wird durch einen Split-Screen veranschaulicht, dass diese kurze, improvisierte Aktion in den späteren Film übernommen wurde. Die MotionCapture-Aufnahmen, die in einer sterilen Studiohalle mit wenigen Platzhalter-Requisiten aufgezeichnet werden, werden durch diese Zusammenschnitte von ‚realen‘ Naturerfahrungen der Schauspieler*innen und Crew-Mitglieder geerdet.

2.3. Industrielle Produktion als Vergnügen

Abschließend soll noch auf den Aspekt des Vergnügens an der Produktion der Crew eingegangen werden. Zunächst einmal ist anzumerken, dass, obwohl James Cameron eindeutig in den Vordergrund des Making-ofs gerückt wird, auch die Schauspieler*innen sowie die restliche Crew des Öfteren in kurzen Interview-Sequenzen zu Wort kommen. Durch ihr detailliertes Beschreiben der einzelnen Arbeitsschritte wird das Making-of „zum Industriefilm [bzw.] zum Imagefilm, der das Funktionieren einer Fabrik erläutert und damit auch für die Qualität der Produkte wirbt“ (Hediger 2005: 336). Bei der Untermauerung, dass die Filmproduktion harte Arbeit bedeutet, spielt auch die Zeitkomponente eine wichtige Rolle. So weist Hediger darauf hin, dass „entscheidend an der Imagefilm-Rhetorik […] der Hinweis auf die lange Arbeitszeit […] [ist]“ (ebd.). Ein weiterer bedeutender Punkt ist der arbeitsteilige Charakter der Filmproduktion. So entstehen Filme durch die Zusammenarbeit von Spezialisten (vgl. ebd. 2005: 337). Auch dieser Aspekt ist in dem Making-of zu Avatar wiederzufinden. Beispielsweise wird immer wieder betont, dass die Techniken des Performance-Capturing sowie der virtuellen Kamera von den beiden ‚Spezialisten‘ Rob Legato und Glenn Derry (Virtual Production) eigens für den Film weiterentwickelt bzw. überhaupt erst hergestellt wurden.

Dies umschließt auch den Aspekt der Kreativität, durch den suggeriert wird, dass die Arbeit während einer Filmproduktion allen Crewmitgliedern große Freude bereitet. Kreativität und Arbeit stehen nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Im AVATAR-Making-of wird betont, dass jegliche Arbeit am Set, sei es die Ausstattung oder die Arbeit an den Requisiten, kreative Anteile beinhaltet, und dass folglich alle Mitarbeiter Freude an ihren spezifischen Arbeiten empfinden. Dieses Empfinden von Spaß während der Dreharbeiten wird im AVATAR-Making-of auch explizit von den Schauspieler*innen erwähnt. So schwärmen diese einerseits von der großartigen Zusammenarbeit mit Regisseur James Cameron und andererseits von der aufwändigen Realisierung der Idee des Films und die damit verbundenen Produktionsschritte. Hierzu zählt neben der Betonung des Spaßfaktors auch die Aufzählung von Schwierigkeiten während der Dreharbeiten. Beispielhaft hierfür dient der Kommentar von Schauspielerin Zoë Saldaña, die die Hauptfigur der Neytiri spielt. Eigens für den Film wurde die Sprache der Na’vi entwickelt, sodass die Schauspieler schließlich auch mit einem Na’vi-Akzent sprechen sollten. Laut Saldaña war es sehr schwierig, sich diesen Akzent anzueignen, und es habe viel Zeit und Mühe in Anspruch genommen, ihn zu perfektionieren.

3. Fazit

Der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen lässt sich nur anhand des Making-ofs nicht überprüfen. So betont Volker Wortmann, dass in Making-ofs vor allem „die für die Werbung wichtigsten Elemente herausgestellt [werden], das können die beteiligten Stars, der berühmte Regisseur […] und immer wieder verblüffende Kamera- oder Computer-generierte ‚special effects‘ sein“ (Wortmann 2008: 48). Somit handle es sich bei den Abbildungen in Making-ofs weniger um wirklichkeitsgetreue Darstellungen realer Produktionsvorgänge, sondern eher um „Substitute der tatsächlichen Prozesse“ (ebd. 2008: 49). Wird diese Annahme nun auf das Making-of von AVATAR angewandt, kann festgestellt werden, dass hier vor allem das Bild von James Cameron als technischem Visionär hervorgehoben und kreiert wird. Wortmann stellt fest, dass die Darstellungen in Making-ofs die Wirklichkeit nicht zwangsläufig repräsentieren oder dokumentieren müssen, sondern diese auf ihre bestimmte und eigene Art präsentieren (vgl. ebd.). Folglich muss festgehalten werden, dass das Bild von James Cameron als technischer Visionär, die Annäherung von Filmtechnik und Natur(erfahrung) sowie die Begeisterung der Schauspieler*innen und Crew-Mitglieder rhetorische Strategien sind, um ein bestimmtes Bild der Produktion von AVATAR zu erzeugen. Dieses Bild muss jedoch nicht unbedingt der Wirklichkeit der Produktion des Films entsprechen.


4. Filmographie

Avatar (USA 2009, James Cameron)

Capturing Avatar (USA 2010, Laurent Bouzereau)

5. Bibliographie

Bender, Theo/Wulff, Hans Jürgen: “Auteur”. In: Filmlexikon der Universität Kiel [letzter Aufruf: 12.04.2019].

Göttel, Dennis (2018): “Das Making-of als Produktionsforschung”. In: González de Reufels, Delia et al. (Hg.): Film als Forschungsmethode. Produktion-Geschichte-Perspektiven. Berlin: Bertz + Fischer, S. 36-44.

Hediger, Vinzenz (2005): “Spaß an harter Arbeit. Der Making-of-Film”. In: Hediger, Vinzent/Vonderau, Patrick (Hg.): Demnächst in Ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung. Marburg: Schüren, S. 332-341.

zu Hünningen, James (2012): “Performance Capturing”. In: Filmlexikon der Universität Kiel [letzter Aufruf: 12.04.2019].

Paech, Joachim (2004): “Film, programmatisch”. In: Kreimeier, Klaus/Stanizek, Georg (Hg.): Paratexte in Literatur, Film, Fernsehen. Berlin: Akademie Verlag, S. 213-223.

Steinhart, Daniel (2018): “The Making of Hollywood Production: Televising and Visualizing Global Filmmaking in 1960s Promotional Featurettes”. In: Cinema Journal 57 (4), S. 96-119.

Wortmann, Volker (2008): “special extended: Das Filmteam als kreativer Kollektiv-Körper”. In: Kurzenberger, Hajo/Ortheil, Hanns-Josef/Rebstock, Matthias (Hg.): Kollektive in den Künsten. Hildesheim/New York/Zürich: Olms, S. 39-60.

Wortmann, Volker (2010): “DVD-Kultur und ‘Making of’. Beitrag zu einer Mediengeschichte des Autorenfilms”. In: Rabbit Eye – Zeitschrift für Filmforschung 1, S. 95-108.

6. Abbildungen

Abb. 1: Avatar – Making Of (Part.1) Creating The World Of Pandora [HD] (AvatarBest Channel 2012, Youtube [letzter Aufruf: 17.05.2019]).

Abb. 2: Avatar: Motion Capture Mirrors Emotions (Discovery 2009, Youtube [letzter Aufruf: 17.05.2019]).