Cecilia Preiß: Synästhetische Medienkunst im Spannungsfeld von subjektivem Empfinden und Dokumentation

Abstract

Das Dissertationsprojekt widmet sich der Faszinationsfigur Synästhesie in Medienkunst und innovativem Design als Genre eines Artistic Researchs. Ziel ist es, jene Dokumentationsformen zu analysieren, die ephemerer synästhetischer Wahrnehmung für die Legitimation und Sichtbarkeit der Projekte notwendigerweise vorausgehen.

Das Faszinosum der synästhetischen Erweiterung menschlicher Wahrnehmung inspiriert die Kunst seit den Avantgarden und verspricht einen ästhetischen Superlativ. Es entstehen künstlerische Apparaturen, die mittels zuvor definierter Kombinationslogik Sinnesqualitäten simultan aktivieren. Mit dem Computer als universeller Übersetzungsmaschine erfährt das Streben, ein synästhetisches „Doppelempfinden“ artifiziell im Rezipienten auszulösen und Zugang zu neuen Wahrnehmungsmodi und Erfahrungsräumen herzustellen, erneut Konjunktur. Die künstlerischen und medialen Praktiken, die in der Folge eingesetzt werden, beruhen auf sensorischer Mehrfachaffizierung. Daraus resultiert wiederum ein strategisch-operativer Umgang mit dem eigentlich psychopathologischen Phänomen.

Synästhesie manifestiert sich am Gegenstand des interdisziplinär entwickelten Hightech Interfaces, das zugleich in künstlerischen als auch sozialpädagogischen Projekten sowie zur Steigerung von Usability in innovativem Design Verwendung findet. Zentral ist die individuelle (multi-)sensorische Rezeption, wobei der Körper und dessen Reizempfinden simultan im Realen und Virtuellen mit der Maschine interagiert. Entgegen des Vorwurfs einer Entsinnlichung im digitalen Zeitalter, werden dem Körper offensichtlich Zugänge zu virtuellen Erfahrungsräumen geschaffen.

Wenn Synästhesie zum Label, zur Methode und zum Versprechen wird, gilt es die Projekte bzw. die sich eröffnenden innovativen Erfahrungsräume zu dokumentieren und derart zu legitimieren. Doch wie kann wiederholt (museal) vermittelt und authentisch bewahrt werden, was ephemer ist und sich einer Dokumentation zugleich entzieht?

 

Vita

2009-2013 Bachelorstudium Literatur-Kunst-Medien und Spanische Studien an den Universitäten Konstanz und Venedig. 2011-2013 Studentische Hilfskraft am Exzellenzcluster Kulturelle Grundlagen von Integration, Universität Konstanz. 2013-2016 Masterstudium der Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. September 2016: Abschluss des Studiums mit einer Masterarbeit zum Thema Auf der Klaviatur der Sinne. Synästhesie als Kunst- und Wahrnehmungsgenre der historischen Avantgarden. 2015-2016 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medienwissenschaft an der Professur für Mediengeschichte und Kommunikationstheorie bei Prof. Dr. Stefan Rieger, Ruhr-Universität Bochum. 2016 Koordinatorin der Lehrbeauftragten am Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum. Seit Oktober 2016 Kollegiatin im DFG-GRK 2132.

 

Kontakt

Cecilia Preiß, M.A.

DFG-Graduiertenkolleg

“Das Dokumentarische. Exzess und Entzug”

Ruhr-Universität Bochum

Universitätsstr. 105, Raum 3/24, 44789 Bochum

Mail: cecilia.preiss@rub.de

 

Affiliation: Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg “Das Dokumentarische. Exzess und Entzug”, Ruhr-Universität Bochum.