Besser wissen. Wissens(chafts)formate im Fernsehen (Scholz) 051089

folgendes Seminar wird zusätzlich im Sommersemester 07 angeboten:

  • 051 089
  • Besser wissen. Wissens(chafts)formate im Fernsehen
  • Scholz
  • Vorbesprechung: Fr 11.05., 14-17, GABF 04/611
  • Blocktermine: Fr 25.05.07 und Fr 29.06.07, 10-18, Tagungsraum 1, Mensagebäude
  • FFW: PS
  • Gegenstandsmodul: Rundfunk
  • Systematisches Modul: Theorien und Methoden /Mediengeschichte
  • Anmeldung an der Bürotür GB 5/144!!

Kommentar:

‚Wissen’ ist sexy: In den letzten Jahren lässt sich das Phänomen eines stetigen Popularitätsanstiegs von Wissens- und Wissenschaftsformaten im Fernsehen beobachten. Ob als Quiz, Spiel- und Experimentiershow, als dokumentarisches Format oder in Form des Magazins – die mediale Omnipräsenz von Bildern des Wissens vermittelt „auf unterhaltsame Weise“ vermeintlich „Neues“ über technologische und naturwissenschaftliche Phänomene und neueste Erkenntnisse der Forschung. So weiß inzwischen (zumindest potentiell) jede/r Fernsehzuschauer/in, welche Farbe der Mars hat und ob es dort Wasser gibt, welches Getier die Tiefsee bewohnt, wie ein Atom, ein denkendes Gehirn oder ein bedrohlicher Virus eigentlich aussehen, aber auch wie besonders große Brücken, Schiffe oder Flugzeuge geplant und gebaut werden. Daneben gibt es eine offensichtliche Faszination für klassische Experimente der Physik und Chemie, wie sie aus dem Schulunterricht bekannt sind. Aber was ist das überhaupt für ein Wissen, das an der Schnittstelle von Information, Belehrung, Legitimation, Unterhaltung und Spektakularisierung produziert wird? Das Seminar geht anhand von aktuellen (Quarks & Co., W wie Wissen, Abenteuer Wissen, Galileo, Cleve, Brainiac, um nur einige zu nennen) und älteren Fernsehbeispielen (Telekolleg, Knoff-Hoff-Show, Kopfball etc.) der Frage nach, wie Wissen(schaft) einen derartigen Popularitätsschub erhalten konnte, mit welchen Strategien der medientechnologischen und inszenatorischen Aufbereitung und Präsentation es gelingt, Wissen in den Bereich des Entertainment zu überführen und welches Bild von Wissen und Wissenschaft hierbei konstituiert wird. Zum Zweck der Legitimation von Forschung für potentielle Geldgeber und eine breite Öffentlichkeit scheint die Tendenz einer Medialisierung der Wissenschaft selbst massiv zu diesen Entwicklungen beizutragen. Eine erste These hierzu wäre, dass die in den verschiedenen Öffentlichkeiten zirkulierenden Bilder nicht allein Präsentationen von Ergebnissen der Forschung, sondern dynamische Prozesse der Wissenskommunikation sind, in denen der Weg der Kommunikation nicht bloß vom Wissensproduzenten zu einem Rezipienten verläuft, sondern vielfältige Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlicher Kommunikation und der Kommunikation mit den verschiedenen Teilöffentlichkeiten zu beobachten sind. Das Seminar möchte daher die Frage aufwerfen, welche Rückwirkungen, Überschneidungen und Beeinflussungen sich anhand der Interaktion von Formaten und ZuschauerInnen ausmachen lassen. Die Frage eines „besseren“, „schöneren“, „aufregenderen“ Wissens ist dabei nur zu beantworten, wenn man die Einflüsse der zeitgenössischen visuellen Kultur und die Anschlüsse an Populärkultur und ästhetische Strategien der Kunst berücksichtigt. In der ersten Sitzung werden Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter gemeinsam bestimmten Fragestellungen mit einzelnen Formaten beschäftigen werden und ihre Ergebnisse in der Blockphase präsentieren.