Archiv des Autors: Rupert Gaderer

NEUERSCHEINUNG – »Medienphilologie. Konturen eines Paradigmas«

 

Seit der Institutionalisierung der Philologie im 19. Jahrhundert sind philologische Operationen in zeitgenössische Mediensysteme verankert: Forschungs- und Bildungsanstalten wie Universitäten, Bibliotheken, Archive, Museen oder Schulen produzieren das Erkenntnisinteresse der Philologie: Texte.

Die Philologie im klassischen Sinn ist Sammlung, Editierung, Kommentierung und Archivierung textueller Artefakte, um sie für potenzielle Leserinnen und Leser verfügbar zu machen. Die Beiträge setzen sich zum Ziel, diesen Kompetenzbereich der Philologie kritisch zu hinterfragen. Sie machen nicht lediglich Texte, sondern auch Medien und Akteure einer vergangenen und gegenwärtigen Kultur zu Gegenständen des Erkenntnisinteresses, wie z. B. Manuskripte, Bild- und Tonträger sowie digitale Datensätze.

Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Natalie Binczek, Michael Cuntz, Rupert Gaderer, Lisa Gotto, Rembert Hüser, Julia Kursell, Christina Lechtermann, Harun Maye, Nicolas Pethes, Claus Pias, Simon Rothöhler, Dietmar Schmidt, Hania Siebenpfeiffer und Anna Tuschling.

 

Friedrich Balke und Rupert Gaderer (Hg.)

Medienphilologie. Konturen eines Paradigmas

Wallstein Verlag 2017

Link zum Verlag

 

Vortrag: Dr. Rupert Gaderer „Heinrich von Kleist – Querulanten damals und heute“ (Blue Square, 8. Mai 2017 um 18:00)

Kategorie(n):  Einblicke
Veranstalter: Dezernat Hochschulkommunikation der Ruhr-Universität Bochum
Montag, 08. Mai 2017, 18:00
Etage: 1

Der Rosshändler Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists gleichnamiger Novelle ist sicherlich der bekannteste Querulant der Medien- und Literaturgeschichte. Aufgrund seines verletzten Rechtsgefühls verwüstet er im Zorn ganze Landschaften mit seinen Handlangern, brennt Städte nieder und ermordet seine Gegner. Er kämpft um sein Recht – ohne Rücksicht auf finanzielle, emotionale oder soziale Verluste. Das war damals.

Querulanten gibt es jedoch auch heute. Typisch ist für sie, dass sie ohne Aussicht auf Erfolg Rechtskämpfe vor Gericht ausfechten. Der Anlass ist dabei meist geringfügig und steht in keinem Verhältnis zu dem rechthaberischen und unbelehrbaren Verhalten der Querulanten. Manche schreiben täglich mehrere Briefe an die Gerichte, womit die Arbeitskapazität der Rechtsprechung massiv eingeschränkt wird. Psychiater diagnostizieren bei ihnen das sogenannte „Michael-Kohlhaas-Syndrom“ und stellen damit den Bezug zu Kleists fiktiver Gestalt her.

Anlässlich des 240. Geburtstags von Heinrich von Kleist befasst sich der Medienwissenschaftler Rupert Gaderer mit der Geschichte des Querulierens, rekonstruiert bekannte Querulanten-Fälle und diskutiert über Möglichkeiten und Grenzen des Rechtzugangs in Deutschland.

 

Link zur Veranstaltung

 

Neuerscheinung – »Paranoia. Lektüren und Ausschreitungen des Verdachts«

Hg. v. Timm Ebner, Rupert Gaderer, Lars Koch und Elena Meilicke

Paranoia wird im Allgemeinen nicht nur als klinisches Bild, sondern auch als auffällige Form der Weltwahrnehmung angesehen. Dieser Band umfasst Paranoia-Studien zur Medien- und Literaturgeschichte, ausgehend vom 19. Jahrhundert (Kleist) bis in die Gegenwart (Daten-Paranoia).

Er orientiert sich an Jacques Lacans Einsicht: »Es gibt keine Paranoia, es gibt nur Paranoiker«. Die Autorinnen und Autoren leisten keiner Pathologisierung der Paranoia Vorschub, sondern gelangen, ausgehend von konkreten Einzelfällen, zu einer genaueren Beschreibung der Verfahren paranoischer Welterschließung.

Beiträge von Jörn Ahrens, Friedrich Balke, Luisa Banki, Wolfram Bergande, Martin Doll, Timm Ebner, Rupert Gaderer, Christian Geulen, Thorsten Hahn, Anna Häusler und Johannes Windrich, Lars Koch, Sophie Ledebur, Elena Meilicke, Johannes Pause, Anna Tuschling, Burkhardt Wolf. Link zum Verlag