Archiv für den Monat: August 2014

Kommentar zum Seminar “051 710 Das Audiovisuelle und der Tastsinn”

Was haben audiovisuelle Medien mit dem Tastsinn zu tun? Gibt es so etwas wie ein “taktiles Filmerleben” und mit welchen Begründungen und Begriffen ließe sich davon sprechen?

Vor dem Hintergrund einer seit etwa den 1990er Jahren zu konstatierenden, umfassenden Hinwendung zum menschlichen Körper in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften fragen auch neuere filmtheoretische Arbeiten zunehmend danach, ob und inwiefern Film eine Ganzkörpererfahrung darstellt, die die Sinnesmodalitäten des Visuellen und des Auditiven überschreitet. Aber wie spricht Film Sinne an, die er auf den ersten Blick nicht ansprechen zu können scheint?

Überlegungen zu quasi-synästhetischen Möglichkeiten der Filmrezeption fokussieren dabei bevorzugt den Tastsinn – so fragt sich etwa Vivian Sobchack, was die Finger über das wissen, was der Blick noch nicht entziffern kann, während Laura Marks untersucht, wie das interkulturelle Kino über eine Adressierung des Tastsinns einen verlorenen Kontakt zur Heimatkultur aufzubauen versucht. Aber auch in der praktischen Mediennutzung scheint die Verbindung zwischen dem Audiovisuellen und dem Tastsinn derzeit besonders virulent zu werden: Auf YouTube proliferieren seit etwa drei Jahren sogenannte “ASMR-Videos”, in denen Privatpersonen bestimmte visuelle und akustische Stimuli vorführen, die bei ihren Zuschauern für ein wohliges Kribbeln auf der Haut sorgen sollen.

Ausgehend von dieser offensichtlichen Konjunktur des Tastsinns in “Theorie und Praxis” werden wir ihn nicht nur als physiologisches Medium betrachten, das zwischen Subjekt und Welt (und damit auch zwischen Mensch und Medientechnik) vermittelt, sondern speziell als Gegenstand filmtheoretischen Interesses perspektivieren. Ziel ist es, das Taktile als Analyseinstrument auf seine Produktivität bezüglich neuer Beschreibungsmöglichkeiten von Bildern – und nicht zuletzt auch von Tönen – hin auszuloten.

Alle Texte werden über Blackboard zur Verfügung gestellt. Teilnahmescheine können durch regelmäßige und aktive Teilnahme, das Anfertigen von Lektürekarten und die Übernahme kleinerer Recherche-Aufgaben, Leistungsnachweise durch das zusätzliche Schreiben einer Hausarbeit im Umfang von 10-15 Seiten erworben werden.

 

Ausschreibung einer Juniorprofessur Medientechnik und Medienphilosophie

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) ist eine der führenden Forschungsuniversitäten in Deutschland. Als reformorientierte Campusuniversität vereint sie in einzigartiger Weise die gesamte Spannbreite der großen Wissenschaftsbereiche an einem Ort. Das dynamische Miteinander von Fächern und Fächerkulturen bietet den Forschenden wie den Studierenden gleichermaßen besondere Chancen zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

In der Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität Bochum ist im Institut für Medienwissenschaft zum 01.04.2015 eine

W1-Professur für „Medientechnik und Medienphilosophie“

zu besetzen.

Die zukünftige Stelleninhaberin/der zukünftige Stelleninhaber soll in Forschung und Lehre das Fachgebiet Medienwissenschaft vertreten und einen besonderen Fokus auf die technischen und philosophischen, aber auch sozialen und ästhetischen Entwicklungen der sozialen und mobilen Medien legen. Wünschenswert ist die gute Anschließbarkeit an Forschungsschwerpunkte der Bochumer Medienwissenschaft und die Fakultät für Philologie. Die Lehre ist im Rahmen des B.A./M.A.-Studiengangs „Medienwissenschaft“ und gegebenenfalls in den internationalen M.A.-Studiengängen „Film und audiovisuelle Medien“ und „Gender Studies“ zu erbringen.

Promotion mit herausragender Qualität sowie der Nachweis besonderer Eignung für die akademische Lehre werden ebenso vorausgesetzt wie die Bereitschaft zur Mitwirkung in der akademischen Selbstverwaltung.

Weiterhin werden erwartet:

–       ein hohes Engagement in der Lehre

–       die Bereitschaft zu interdisziplinärem wissenschaftlichen Arbeiten

–       die Bereitschaft und Fähigkeit, drittmittelgeförderte Forschungsprojekte einzuwerben

Wir wollen an der Ruhr-Universität besonders die Karrieren von Frauen in den Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, fördern und freuen uns daher sehr über Bewerberinnen. Auch die Bewerbungen geeignet schwerbehinderter und gleichgestellter Bewerberinnen und Bewerber sind willkommen.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Publikationsliste, Verzeichnis der Lehrveranstaltungen) werden bis zum 30.09.2014 erbeten an den Dekan der Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität Bochum, D-44780 Bochum.