Archiv für den Monat: Januar 2008

30./31.01. Bernard Stiegler zu Gast beim BKM

Am 30. und 31. Januar ist der international renommierte französische Philosoph Bernard Stiegler Gast im Bochumer Kolloquium Medienwissenschaft. Stiegler zählt zu den herausragenden Technik- und Medienphilosophen der Gegenwart:

Vortrag am Mittwoch, 30. 1., 18.00 Uhr, Tagungsraum 2 (Ebene 01, Mensagebäude) zum Thema:
Hypomnesis and Grammatisation.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage der Technisierung des Gedächtnisses und versucht vor diesem Hintergrund eine neue Kritik der zeitgenössischen Hyperindustrialisierung. Unter Grammatisierung wird (im Anschluß an Sylvain Auroux) der allgemeine Prozeß der Diskretisierung des Kontinuums menschlicher Zeichenemission (Wörter, Gesten etc.) verstanden. So stellt etwa die Schrift die Grammatisierung der Sprache dar, das Notensystem die Grammatisierung der Musik und die Maschine grammatisiert die Gesten der Arbeit usf. Der Prozeß der Grammatisierung schafft die Möglichkeit und bestimmt die Bedingungen von Reproduzierbarkeit. Technisierung wird so zuallererst als Geschichte der Exteriorisierung des menschlichen Gedächtnisses lesbar. Die umfassende Grammatisierung des Menschen, wie sie im Zeitalter des Hyperindustrialismus stattfindet, stellt vor diesem Hintergrund eine qualitativ neue Stufe dar. Das symbolische Milieu unseres Existierens, das sich insgesamt den Techniken der Diskretisierung verdankt, droht zerstört zu werden und führt zu radikaler Desindividuation und zum Verlust an Teilhabe. Stiegler fordert, im Sinne einer neuen Kritik der Kulturindustrie, eine neue Psycho- und Technopolitik des Gedächtnisses.

Der geplante Workshop muß leider entfallen.
Workhsop am Donnerstag, 31.1., 10-13 Uhr, Hörsaal GABF 04/611 zum Thema:
Technics, Transindividuation and Desire according to Gilbert Simondon.
Der Workshop stellt einige zentrale Aspekte des Werks des französischen Technikphilosophen Gilbert Simondon vor.

Weitere Informationen (insbes. Seminarmaterialien) finden sich unter: www.kolloquium-medienwissenschaft.de

Vortrag von Dr. Christina Bartz: “1895”

Am Montag (21.01.2008) hält Dr. Christina Bartz (Köln) im Rahmen von Prof. Dr. Wolfgang Beilenhoffs Seminar “MassenMedien” um 16:00 Uhr c.t. in GABF 04/611 einen Vortrag zum Thema:

1895 – Masse, Massenpsychologie und audiovisuelle Medien

Das Jahr 1895 ist mediengeschichtlich wie massenpsychologisch von besonderem Interesse. Einerseits finden die ersten kommerziellen Filmvorführungen statt, die richtungweisend für die institutionelle Entwicklung des Films sind. Andererseits publiziert Gustave Le Bon sein populäres Werk Die Psychologie der Massen erstmals und prägt damit den Massendiskurs entscheidend. Diese Koinzidenz will der Vortrag zum Ausgangspunkt nehmen, um nach der medientheoretischen Verwertung des massenpsychologischen Wissensbestandes zu fragen und umgekehrt zu überlegen, ob nicht auch die Massenpsychologie medientechnisch informiert ist. So teilen sich Massen- und Mediendiskurs Referenzen auf ein medizinisches Wissen um Hypnose und Suggestion sowie auf kognitionspsychologische Überlegungen zur Wahrnehmung und Imagination von Bildern. Diesen Zusammenhang aus Massen- und Medientheorie will der Vortrag aber nicht nur im Hinblick auf den Film und das Kino untersuchen, sondern auch seine Reformulierung im Kontext der Fernsehbeschreibung betrachten.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Vorträge und Workshops im Rahmen des BKM

John D. Peters (Iowa-City) und Bernard Stiegler (Paris) werden am 16./17. bzw. am 30./31. Januar im Kolloquium zu Gast sein.
Neben ihren Vorträgen am Mittwoch Abend im Kolloquium werden beide zusätzlich einen Workshop am darauffolgenden Tag abhalten:

Workshop mit John D. Peters zum Thema: Technology, Time, Space and Communication.
Zeit: Donnerstag, 17. Januar 2008, 10-14 Uhr.
Ort: GABF 04/611

Workshop mit Bernard Stiegler zum Thema: Technics, Transindividuation and Desire according to Gilbert Simondon.
Zeit: Donnerstag, 31. Januar 2008, 10-14 Uhr.
Ort: GABF 04/611

Für die Workshops wird um Anmeldung unter www.kolloquium-medienwissenschaft.de gebeten. Hier erhalten Sie nach erfolgreicher Anmeldung Zugang zu den Online bereitgestellten Materialien für den jeweiligen Workshop.

Filmvorführung Gendernauts, 9.1.2008, 19.30 Uhr

Gendernauts — A Journey through shifting Identities, Regie: Monika Treut, D/USA 1999.
(www.hyenafilms.com > Filme > gendernauts)

San Francisco, Bay Area, Kalifornien: Zentrum der Transgender-Kultur. Hier leben die Gendernauten. Sie sind Geschlechter-Nomaden, die ihre sexuelle Identität nicht mehr festlegen. Sie sind „Transgender“, also irgendwo zwischen männlich und weiblich. Auf die Frage: „Sind Sie ein Mann oder eine Frau?” antworten Gendernauts mit einem verwirrenden „Ja!“.

– Öffentliche Filmvorführung
– 9.1.2008
– 19.30 h
– Goldkante, Herner Str. 13 (http://goldkante.org/)
– U-Bahnhof Bergbaumuseum

Das Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum, zeigt Dokumentarfilme für alle im Rahmen der Lehrveranstaltungen „Die Mediensysteme in Tschechien und der Slowakei“ und „Astronauten, Zellen und andere Cyborgs. Mensch-Maschine-Konzepte von 1960 bis heute“. Filmvorführung/Offene Seminarveranstaltung.