Archiv für den Monat: September 2006

[GESTRICHEN] Die Krise der Anschauung. Zur Technik- und Mediengeschichte eines philosophischen Schlüsselereignisses (Hörl)

Folgende ergänzende Veranstaltungen wird unter Vorbehalt angekündigt:

  • (051 114) Hörl: Die Krise der Anschauung. Zur Technik- und Medien- geschichte eines philosophischen Schlüsselereignisses
  • 14-tägig, Di 12-16, GB 03/42
  • Beginn: 07.11.06
  • Vertiefungsmodul: Ästhetik & Technik / Mediengeschichte; HS: FFW und PuKW
  • !!Anmeldung an der Bürotür GB 5/144

Kommentar:
Das zwanzigste Jahrhundert wurde in der Krise der Anschauung um und nach 1900 und damit in der Erschütterung eines Schlüsselbegriffs mindestens der philosophischen Moderne und neuzeitlicher Wissenschaft geboren. Das Auftauchen pathologischer Funktionen in der Mathematik, die Karriere nicht-euklidischer Geometrien und im Undarstellbaren operierende bzw. die bisherigen Evidenzen des Anschaulichen erschütternde technische Medien haben die Abenddämmerung der Kultur der Anschauung induziert und zu erheblicher philosophischer Unruhe geführt. Wo die von Gaston Bachelard so genannte »euklidischen Mentalität« fragwürdig wurde, kam es zu ontologischen und epistemologischen Neuentwürfen, in deren Nachgeschichte wir heute noch stehen. Das Seminar untersucht die Gründe, das Ausmaß und die Konsequenzen des Evidenzverlustes, den das Denken bzw. die epistemische Kultur der Anschauung erlitt. Einzuholen ist die Problemlage nur auf breiter diskursanalytischer Basis. Philosophische, wissenschafts-, medien- und kunstgeschichtliche Texte werden zu diskutieren sein.
Es wird ein Reader erstellt, der die Textgrundlage des Seminars bildet.

Simulation. Zur historischen Ontologie von Schöpfung und Weltdesign (Hörl)

Folgende ergänzende Veranstaltungen wird unter Vorbehalt angekündigt:

  • Hörl: Simulation. Zur historischen Ontologie von Schöpfung und Weltdesign (051 060)
  • 14-tägig, Mi 10-14, GB 03/42
  • Beginn: 08.11.06
  • Systematisches Modul: Ästhetik & Technik HS: FFW und PuKW
  • !!Anmeldung an der Bürotür GB 5/144!!

Kommentar:
Die Computerisierung der Wissenschaften seit 1950 hat die Wissenskultur der Nachahmung und Repräsentation in eine solche der Simulation überführt. Dabei wurde das klassische Seinsverhältnis, das den repräsentativen Weltbezug von Subjekten im Rahmen der traditionellen Epistemologie grundiert, in technisch-mediale Seinsbeziehungen transformiert. Das Seminar sucht diesen weit reichenden, mit Bense gesprochenen tiefentechnischen Veränderungsprozess wissens- und mediengeschichtlich zu skizzieren und den ontologischen Einsatz der großen Wende zu formulieren. Dazu wird zunächst, als Hintergrundgeschichte, die Geburt der Nachahmungskultur in der griechischen Antike zu beschreiben sein, insbesondere das Verhältnis der platonischen Trugbildlehre zur antiken Optik, zur Geometrie und zu den Künsten. Das Hauptaugenmerk aber gilt der Säkularisierung der Welterzeugung durch die neuen nachmimetischen Maschinenwelten, der Erschütterung der ehemals leitenden Differenz von natürlicher und künstlicher Welt, sowie der Frage, welche Spuren der Eintritt ins Zeitalter der Simulation in der philosophischen Reflexion und Diagnostik des 20. Jahrhunderts hinterließ. Im Seminar werden philosophische, wissenschafts- und mediengeschichtliche sowie medientheoretische Texte diskutiert. Es wird ein Reader erstellt, der die Grundlage des Seminars bildet.

Einführende Literatur:

Hans Blumenberg: »›Nachahmung der Natur‹. Zur Vorgeschichte der Idee des schöpferischen Menschen«, in: ders.: Wirklichkeiten, in denen wir leben, Reclam, Stuttgart 1996: 55-103.

Vilem Flusser: »Vom Subjekt zum Projekt«, in: ders.: Vom Subjekt zum
Projekt. Menschwerdung, Fischer, Frankfurt/M. 2000: 9-160, insb. 9-27.